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Digitale Technik im Unterricht, Stufe 1: Substitution

SAMR als Grundlage der digitalen Bildung?

Gastautor Torsten Becker: Das SAMR-Modell von Ruben R. Puentedura nennt vier Phasen, die beim Einsatz neuer Technologien typisch sind.

Als ich begann, mich als Lehrer mit dem Thema Digitalisierung zu beschäftigen, stieß ich recht schnell auf die Bezeichnung SAMR. Im SAMR-Modell beschreibt Ruben R. Puentedura vier Phasen, die beim Einsatz neuer Technologien zum Lernen, Lehren und Arbeiten typisch sind.

Für das SAMR-Model gibt es mittlerweile viele Erklärvideos und Illustrationen im Netz. Ich verweise auf die sehr gute Erklärung auf der Website der Uni Paderborn unter der Rubrik “Didaktik der Informatik”. Unter dem Titel “Das SAMR Modell von Puentedura” schreibt Adrian Wilke: ” Das SAMR Modell eignet sich, um Lehrenden, die eher auf analoge Lehrmittel zurückgreifen, die Vorzüge digitaler Werkzeuge näherzubringen.” http://homepages.uni-paderborn.de/wilke/blog/2016/01/06/SAMR-Puentedura-deutsch/

Was soll ich sagen: Die Theorie hat es mittlerweile sogar zu einer Analogie mit Starbucks geschafft:  Andreas Meier beschreibt auf dem Blog “Bildung und ICT” des Kantons Zürich das SAMR-Modell und zitiert Nadine Gilkison, die das Modell am Beispiel von Starbucks erläutert: https://blog.edu-ict.ch/phasen-des-leitmedienwechsels/

Das SAMR-Modell

Die Stufen des Modells sind:

  • S wie Substitution
  • A wie Augmentation
  • M wie Modification
  • R wie Redefinition

Aus den Anfangsbuchstaben ergibt sich der Name des Modells: SAMR. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit S wie Substitution, zu den anderen Stufen sollen eigene Beiträge folgen.

Ursprünglich stammt das SAMR Modell von Dr. Ruben Puentedura und soll zur Evaluation der Lernstrategie der Lehrperson dienen. Die Buchstaben stehen hierbei für verschiedene Ansätze des Einsatzes digitaler Technik im Unterricht. Die Erste „Stufe“ wird als „Substitution“ bezeichnet und beschreibt das „Ersetzen“ einer Handlung oder Arbeitsweise durch die Tätigkeit mit einem digitalen Hilfsmittel.

1. Stufe: S wie Substitution

Der Kaffee wird also nicht mehr in einer Tasse serviert, sondern in einem Pappbecher mit Logo, um die Starbucks-Analogie zu bedienen. Gewonnen hat der Gourmet dadurch noch wenig. Viele würden sogar einwenden, sie tränken ihren Kaffee lieber aus herkömmlichem Porzellan. Wieder andere erwidern vielleicht, „to go“ sei eben zeitgemäß. Wollen wir es ins Positive wenden, bleibt uns mit dem „To-go-Modell“ nur die Hoffnung, endlich auch mit der Zeit zu gehen.

Wir müssen uns eingestehen, dass ein Ersetzen der Tafel durch ein interaktives Board ein schwaches Argument für Digitalisierung darstellt, solange es nur darum geht, eine andere Darstellungsfläche zu nutzen. „L’art pour l’art“ war in pädagogischen und fachdidaktischen Kreisen noch nie ein gutes Argument.

Und so belächeln einige Pädagogen auf Twitter die Marketingstrategien und digital inszenierten Projekte aus der Lokalpresse vielleicht zu Recht. Zu sehen ist hier meist eine Delegation von Offiziellen vor einem gestifteten Board mit dem Versprechen, nun einen Quantensprung im Bereich digitaler Bildung zurückgelegt zu haben. Dass die Digitalisierung im Bildungsbereich aber mehr benötigt als eine Wanddekoration durch interaktive Whiteboards, das zeigen schon die Handlungsempfehlungen der Schulen der Werkstatt schulentwicklung.digital an Bildungspolitik und Bildungsverwaltung, die hier nachzulesen sind: http://www.forumbd.de/fileadmin/Dokumente/Werkstatt/171120_Handlungsempfehlungen_schulentwicklung.digital.pdf

Digitale Bildung: Hoffnungsschimmer

Aller Häme zum Trotz möchte ich Sie aber nicht im Tal der verlorenen digitalen Bildung zurücklassen, sondern Ihnen durch den leicht humoristischen Schwenk eine Perspektive aufzeigen. Das SAMR-Modell kennt schließlich noch drei weitere Evaluationsebenen: die „Augmentation“, „Modification“ und „Redefinition“, denen ich mich in weiteren Beiträgen widmen möchte.