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Umfrage: schulische Digitalisierung belastet Lehrkräfte

Die Digitalisierung im Schulbereich nimmt zu – mit teils negativen Folgen. So fühlen sich Lehrkräfte, die umfassend digitalisiert arbeiten, stärker belastet. Darauf verweist die aktuelle Auswertung der Umfragedaten des DGB-Index „Gute Arbeit 2022“ zum Thema „Digitalisierung in Bildungsberufen“. In den Ergebnissen der bundesweiten Befragung zur Qualität der Arbeitsbedingungen finden sich auch mögliche Ursachen für die angegebene Mehrbelastung.

Gegenüber den DGB-Umfrageergebnissen aus dem Jahr 2016 zeigt sich, dass der Digitalisierungsprozess zunehmend die Arbeit von Lehrkräften betrifft: Der Anteil an Lehrer*innen, die „in sehr hohem Maß“ digitalisiert arbeiten, stieg 2022 auf 40 Prozent von zuvor 27 Prozent. Gleichzeitig blieb der Anteil derjenigen, die mindestens „in hohem Maße“ digitale Arbeitsmittel nutzen, fast unverändert (2016: 49 Prozent, 2022: 43 Prozent). Allerdings scheint mit der umfassenden Digitalisierung auch eine starke Mehrbelastung einherzugehen. Über die Hälfte dieser Gruppe berichtete 2022, dass ihre Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung „größer geworden“ sei (57 Prozent). 2016 sagten dies nur etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent).

Mögliche Ursachen der Mehrbelastung

Weitere Antworten der Befragung lassen auf mögliche Ursachen dieser wahrgenommenen Mehrbelastung schließen: Beispielsweise geben 79 Prozent an, dass die Anforderungen an ihr Wissen und Können „größer geworden“ sind und rund die Hälfte muss damit zurechtkommen, dass Störungen der digitalen Technik ihre Arbeit „sehr häufig“ (14 Prozent) oder zumindest „oft“ (36 Prozent) unterbrechen. Rund ein Drittel kann sich in solchen Situationen nur „in geringem Maße“ (33 Prozent) oder „gar nicht“ (ein Prozent) auf betriebliche Unterstützung verlassen.

Wie wichtig funktionierende Technik und schnelle Unterstützung im Schulalltag sind, weiß Mathe- und Physiklehrer Frank Appelt. Am Dossenberger-Gymnasium im bayerischen Günzburg sorgt er als Systembetreuer zusammen mit einem weiteren Kollegen genau dafür: dass technisch alles läuft. Bereits über 20 Jahre Erfahrung hat Appelt im Bereich der Schul-IT-Administration. „Ich hatte so gesehen das Glück, dass ich mit der Digitalisierung groß werden konnte und nicht von heute auf morgen die Aufgabe übernehmen musste.“ Denn auch die Systembetreuung am Dossenberger-Gymnasium ist mit der Zeit komplexer und aufwändiger geworden.

Angefangen mit einem kleinen PC-Pool verfügt das Gymnasium mittlerweile unter anderem über zwei Computerräume sowie Standgeräte in den Lernlandschaften. Rund 75 Rechner gilt es allein dort zu betreuen. Der Administrationsaufwand dafür sei allerdings gesunken, seit die Schule auf das Schulnetzwerk MNSpro des Schul-IT-Dienstleisters AixConcept umgestiegen ist, so Appelt. „Mit MNSpro sind wir sehr gut aufgestellt, das ist ein ganz tolles System, da fällt wenig Wartung an.“ In das Aufgabenpensum der Systembetreuer fallen jedoch auch die Computer der Verwaltungsmitarbeitenden, die Tablet-Koffer für den digitalgestützten Unterricht, die mobilen Endgeräte der Lehrkräfte, die Bildschirme und Beamer in den Klassenräumen sowie ab Herbst die Tablets für die Schüler*innen.

Finanzmittel für externe Schul-IT-Administration

„Ich sage immer, in einer Firma wären wir eine eigene Abteilung, die für nichts anderes zuständig wäre als das, was wir hier stemmen“, sagt Frank Appelt. Für ihn und seinen Kollegen sei das nur zu leisten, weil die Schulleitung ihre Arbeit zu schätzen wüsste und dafür Anrechnungsstunden vergebe. „Ansonsten müssten wir mehr auf externe Partner setzen“ – wie viele andere Schulen, denen es zum Beispiel an einer Lehrkraft fehlt, die die Systembetreuung übernehmen könnte. Damit dies den Schulen finanziell möglich ist und bleibt, hat sich die Bayerische Landesregierung entschieden, sich mit einer „Pro-Kopf-Pauschale“ dauerhaft zu 50 Prozent an den Kosten für die technische Wartung und Systempflege der schulischen IT-Infrastruktur zu beteiligen.

Die für die finanzielle Unterstützung notwendige Änderung des Bayerischen Schulfinanzierungsgesetzes hat der Bayerische Landtag Mitte Juli beschlossen. Von den künftigen staatlichen Leistungen sollen sowohl Schulen in öffentlicher Hand als auch in privater Trägerschaft ab 2025 profitieren, wenn die bisherigen Förderungsmöglichkeiten in Verbindung mit dem Digitalpakt Schule auslaufen. Aus Sicht von Frank Appelt „eine riesige Chance“: „Das wird vielen Schulen, die keinen Systembetreuer vor Ort haben, unheimlich helfen.“

Gleichzeitig bietet die Entscheidung der Bayerischen Landesregierung anderen Schulen die Option, die schulische IT-Administration vollständig auszulagern, um Lehrer*innen, wie von der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (KMK) empfohlen, von zusätzlichen Aufgaben zu entlasten. Dies könne, so das Gremium, in Zeiten des Lehrkräftemangels dazu beitragen, die Personalnot an betroffenen Schulen zu lindern.

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