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Nahezu eine Eins-zu-eins-Ausstattung: Wie Herne die schulische Digitalisierung meistert

Die Stadt Herne verwaltet in Kürze rund 16.000 Schülerendgeräte mit MNSpro MDM, dem Mobile Device Management von AixConcept. Damit erhält jeder Schüler und jede Schülerin die Möglichkeit, unabhängig vom Elternhaus mit einem iPad oder Laptop zu lernen. Wie der Schulträger trotz knapper Kassen bei der Digitalisierung Tempo macht.

„Es gibt Berge, über die man hinüber muss, sonst geht der Weg nicht weiter.“ Dieses Zitat des Schriftstellers Ludwig Thoma (1867-1921) bildet den Abschluss der Herner Haushaltsbroschüre 2022. Der kreisfreien Ruhrgebietsgroßstadt mit etwa 156.000 Einwohner*innen machen nicht nur hohe Altschuldenlasten zu schaffen. Auch die Einnahmen stagnieren. Mit 290 Euro Gewerbesteuern je Einwohner*in belegte Herne 2021 den letzten Platz unter den 22 kreisfreien Städten in NRW. Im Vergleich verfügte Spitzenreiter Düsseldorf mit 1.446 Euro je Einwohner*in über rund fünfmal mehr Gewerbesteuereinnahmen, die neben der Grundsteuer den Großteil kommunaler Einnahmen stellen.

Digital gut aufgestellt trotz Haushaltsdefizit

Allen Herausforderungen zum Trotz: Mit der schulischen Digitalisierung hat die Stadt gleich mehrere Berge erfolgreich überwunden. Herne ist schon seit Jahren vergleichsweise gut digital aufgestellt. Bereits 2012 hat sich die Stadt als Schulträger fachliche Expertise und pragmatische Unterstützung für die Schul-IT geholt. Damals wurden die allgemeinbildenden Schulen mit MNSpro Classic ausgestattet, der Server-Lösung für Verwaltung und Pädagogik des Stolberger Schul-IT-Dienstleisters AixConcept. Entsprechend schnell konnte der Schulträger während der Pandemie 2020 mit der Umstellung auf das MNSpro Cloud-System beginnen, um jederzeit hybriden oder Distanzunterricht sicherstellen zu können. Um den IT-Support und das Management der Schul-Cloud sowie der mit der Cloud verbundenen Endgeräte kümmert sich AixConcept. Jetzt sind durch neue Fördermöglichkeiten zu den damals 4.000 im Einsatz befindlichen Endgeräten für Schüler*innen noch einmal 11.500 iPads und Laptops hinzugekommen.

Wichtige Etappe: Eins-zu-eins-Ausstattung

Eine Eins-zu-eins-Ausstattung für die rund 19.000 Schüler*innen an 45 Schulstandorten sei damit nahezu erreicht, freut sich Heike Christine Wegner, Abteilungsleiterin Bildungsmanagement und Digitalisierung im Fachbereich Schule und Weiterbildung der Stadt Herne. „Es profitieren jetzt wirklich alle Schulformen, also Grundschulen, Förderschulen, alle weiterführenden Schulen und bestimmte Bildungsgänge von den Berufskollegs, von den Förderungen“, so Wegner weiter.

Insbesondere die letzten beiden Förderprogramme, von denen Herne als Stadt mit hohen Sozialausgaben profitieren konnte, waren auf genau dieses Ziel ausgerichtet: Jeder Schüler und jede Schülerin an den weiterführenden Schulen und den Förderschulen sollte unabhängig vom elterlichen Geldbeutel mit einem digitalen Endgerät arbeiten können. An den Grundschulen war eine 75-Prozent-Ausstattung angestrebt und an den Berufskollegs wurden entsprechend der Förderbedingungen bestimmte Bildungsgänge mit digitalen Endgeräten ausgestattet. Dabei ergänzen sich die beiden Programme, die REACT-EU-Förderung aus EU-Mitteln sowie die Digitale Ausstattungsoffensive NRW von Landesseite. „Aus beiden Töpfen wurden den Kommunen Gelder zugewiesen beziehungsweise den Schulen Schulbudgets zugeschrieben“, sagt Wegner, „und wir als Kommune haben uns dann auf den Weg gemacht und haben die mobilen Endgeräte im Rahmen dieser Förderungen besorgt.“

Auspacken und sofort loslegen

Die Geräte aus der REACT-Förderung sind zwischen November 2022 und Februar 2023 bereits erfolgreich ausgerollt worden. Zeitnah sollen dieses Jahr auch die restlichen Geräte an den Schulen zum Einsatz kommen. Ein Mammutprojekt, das mithilfe externer Unterstützung aber zügig funktioniert. Denn AixConcept sorgte dafür, dass alle 11.500 Geräte, sowohl Windows-Geräte als auch iPads, innerhalb kürzester Zeit komplett so eingerichtet wurden, dass Lehrkräfte und Schüler*innen sie mit dem Auspacken sofort im Schulbetrieb sowie zu Hause uneingeschränkt in der MNSpro Cloud nutzen können – inklusive aller von den Schulen gewünschten Apps und Einstellungen.

„Wir arbeiten jetzt schon sehr lange mit der MNSpro Plattform und seit der Pandemie-Phase mit der Cloud-Variante. Entsprechend haben wir Erfahrungen mit dem Mobile Device Management dieses Systems. Das heißt, wir schließen im Prinzip an die Strukturen an, die wir schon aufgebaut haben, um einen gewissen Standard zu gewährleisten“, sagt Heike Christine Wegner. „Dort, wo die Schulen schon über eine ausgebaute Infrastruktur verfügen, können sie mit den Geräten bereits gut arbeiten. Davon konnte ich mich vor Ort selbst überzeugen. Die Kinder arbeiten mit iPad oder Laptop im Unterricht und können das Gerät auch mit nach Hause nehmen und es für die Hausaufgaben nutzen. Schulen, die jetzt technisch noch nicht so weit sind, müssen noch ein bisschen improvisieren, das muss ich ganz klar sagen. Dort ist beispielsweise das WLAN-Netz noch nicht ausreichend, damit alle Schüler gleichzeitig im Unterricht online arbeiten können.“

Bis 2024 könne der Schulträger zumindest sicherstellen, dass jede Schule an das Glasfasernetz angeschlossen ist. Aber das reiche natürlich nicht aus, weil ja auch die Inhouse-Verkabelung in den Schulgebäuden fertiggestellt werden muss. 2024 sollen immerhin Dreiviertel der Schulen mit Mitteln des Digitalpakts verkabelt sein. „Ein Drittel der Schulen, so unser Plan derzeit, geht dann in den eigenwirtschaftlichen Ausbau oder wir schauen, ob wir vielleicht noch einmal woanders Fördergelder herbekommen“, erklärt die Abteilungsleiterin.

Chancengleichheit auch bei Digitalisierung

Immerhin: Hernes Schulen sind mit Blick auf die Endgeräte bereits jetzt gut versorgt. „Im Vergleich zu anderen Kommunen haben wir eine sehr hohe Ausstattungsquote von über achtzig Prozent“, so Heike Christine Wegner, „auch, weil wir einfach so stark mit Fördergeldern bedacht wurden.“ Gerade eine Kommune wie Herne müsse allerdings auch dabei unterstützt werden, soziale Benachteiligung von Kindern und Jugendliche auszugleichen. Bring-Your-Own-Device, also die Option eigene, elternfinanzierte Geräte mit in die Schule zu bringen, wäre hier keine Lösung.

Und was passiert, wenn Geräte abhandenkommen oder durch Zuzug neue benötigt werden? „In unseren Haushaltsplanansätzen haben wir einen gewissen finanziellen Pool vorgesehen, um Geräte ersetzen zu können. Wenn jetzt eine Klasse eins zu eins ausgestattet ist und einem Kind wird das Gerät gestohlen oder es geht kaputt, dann muss es einen Ersatz bekommen. Da müssen wir als Schulträger rechtzeitig nachsteuern können. Ohnehin ist Schule natürlich nicht statisch. Wir haben geburtenstarke Jahrgänge, wir haben Flüchtlingswellen und so weiter. Das heißt, die Schülerzahlen sind dynamisch.“

Unter dem Strich sei das alles aber immer eine Finanzierungsfrage und dazu gehöre auch der noch offene Punkt der Anschlussfinanzierung. Wer kommt für die Wartung und den Austausch der Geräte nach Ablauf ihres vier- bis fünfjährigen Lebenszyklus auf? Das seien Fragen, so Wegner, die es noch zu klären gelte – sowohl finanziell als auch politisch.

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